4KG 065B – Bad Kreuznach

Laufzeit: 1367, 1568-1961
Umfang: 70 Kartons
Verzeichnungseinheiten: 258
Akzessionsdatum: 2005
Findmittel: 1963
Signatur: 4KG 065B

Ev. Kirchengemeinde Bad Kreuznach

Kreuznach, Oberamtsstadt der vorderen Grafschaft Sponheim, war seit 1437 gemeinsamer Besitz von Pfalz-Simmern, Baden und Kurpfalz. Bereits 1332 besaß die Stadt die Pfarrkirche auf dem Wörth, deren Pfarrer von den Rheingrafen berufen wurde. Nachdem jedoch Kurpfalz im Jahr 1556 die Reformation eingeführt hatte, gewann der pfälzische Einfluss auch in den kirchlichen Verhältnissen Kreuznachs die Oberhand – wenngleich bis etwa 1700 weiterhin die badischen beziehungsweise rheingräflichen Zustimmung einzuholen war. Die religiösen Verhältnisse blieben bis weit in das 17. Jahrhundert hinein wechselhaft, da es zwischen Pfalz und Baden immer wieder zu Auseinandersetzungen um die kirchliche Zuständigkeit kam. 1652 regelte ein Religionsvergleich die Verhältnisse der reformierten und der katholischen Gemeinde, die Lutheraner mussten bis 1699 auf die staatliche Anerkennung warten. Die reformierte Gemeinde verlor im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 sowohl ihr bereits 1567 gegründetes und 1666 im Karmeliterkloster eingerichtetes Gymnasium als auch die Wörthkirche. Von letzterer blieb nur eine Kapelle erhalten, die fortan als Simultaneum mit den Katholiken genutzt werden musste. Erst 1752 konnte die reformierte Gemeinde das Langhaus übernehmen, das nach kostspieliger Wiederherstellung 1781 als Pauluskirche geweiht wurde. Die Lutheraner errichteten 1700 ihre Kirche zu St. Wilhelm. Die Not der französischen Besatzungszeit von 1793 bis 1814 führte die beiden einst feindseligen evangelischen Gemeinden einander näher, sodass ihre Vereinigung 1817 zu einem großen Freudenfest geriet.

Das Archiv der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Kreuznach wurde im Sommer 1963 von Kirchenarchivrat Walter Schmidt nach dem Registraturplan für die Kirchengemeinden und Verbände der Evangelischen Kirche im Rheinland geordnet. Das Schriftgut stammt aus drei Beständen: Der ehemaligen Reformierten Gemeinde, der ehemaligen Lutherischen Gemeinde und der Evangelischen Gemeinde. Durch Kriegsereignisse und durch unsachgemäße Ordnung des Archivs aus der Zeit um 1900 wurden die drei Bestände derart vermengt, dass eine klare Scheidung in vielen Fällen nicht mehr möglich war.

Literatur: Evangelische Paulus-Kirchengemeinde Bad Kreuznach (Hg.), Festschrift zur Einweihung des Gemeindezentrums Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Bad Kreuznach am 8./9. Mai 1971, Bad Kreuznach, 1971; Dies. (Hg.), Unsere Kirche von A-Z: Pauluskirche Bad Kreuznach, Bad Kreuznach [o.J.]; Dies. (Hg.), Unsere Kirche von A–Z: Markuskirche. Konzept, Gestaltung, Kunstwerke, Bad Kreuznach, 2015; Lorenz, Rolf (Hg.), 100 Jahre Kindergarten Hofgartenstraße. Evangelische Kleinkinderpflege im Schnittpunkt von Kirche, Familie und Gesellschaft, Bad Kreuznach 2006; Niebel, Wilhelm, Die Pauluskirche in Bad Kreuznach. Kirchenführer, Worms [ca. 1979]; Rosenkranz, Albert, Evangelisches Rheinland, Bd. 1, S. 395f.; Ders., Geschichte der Evangelischen Gemeinde Kreuznach, Bad Kreuznach 1951; Ruberg, Uwe (Hg.), Die Eule-Orgel in der Pauluskirche Bad Kreuznach. Festschrift zur Einweihung, Bad Kreuznach 2012.

Ergänzende Archivbestände: 2LR 041B (Predigerseminar Bad Kreuznach); 3MB 001 (Kirchenkreis Kreuznach); 5WV 033B (Kirchlicher Arbeitskreis Bad Kreuznach); 8SL 083B (Genealogische Sammlung Bad Kreuznach)