4KG 091B – Heddesheim

Laufzeit: 1652-1973
Umfang: 16 Kartons
Lfd. Nummern: 102
Akzessionsdatum: 2005
Findmittel: 1962, 2006
Signatur: 4KG 091B

Ev. Kirchengemeinde Heddesheim

Heddesheim wird erstmals 1132 erwähnt und war ursprünglich Teil der Pfalzgrafschaft am Rhein. Als Herzog Heinrich, Pfalzgraf vom Rhein, sich 1197 auf einen Kreuzzug vorbereitete, verpfändete er am 27. Juni Heddesheim sowie die Grafschaft Meyenfeld mitsamt dem Dorf Engelstadt für 550 fl. an die Grafen Heinrich, Albert und Gottfried von Sponheim. Die Ursprünge des Dorfes reichen jedoch weiter zurück als das 12. Jahrhundert. Im Jahr 1241 verlieh Pfalzgraf Otto das Patronatsrecht über Heddesheim an seinen Marschall Zorno und dessen Nachkommen. Nachdem Heddesheim 1282 wieder ausgelöst worden war, fiel es an die Wildgrafen. Im Jahr 1557 wurde es mit dem kurpfälzischen Oberamt Stromberg evangelisch. Die reformierte Gemeinde in Heddesheim unterstand, wie auch die in Laubenheim, der Inspektion Stromberg, nicht jedoch der näher gelegenen Inspektion Kreuznach, der Langenlonsheim angehörte.

Eine evangelische Schule bestand hier mindestens seit 1606 und erhielt 1666 Ländereien vermacht. Das Stift St. Martin in Bingen besaß seit 1409 das Patronatsrecht, doch hatte seit 1557 Kurpfalz bzw. Pfalz-Simmern die Pfarrer ernannt. Im Orléan’schen Krieg nutzte das Martinsstift 1688 die französische Besatzung, um mit der Einführung des Simultaneums sowohl den katholischen Pfarrer Hagemann nach Heddesheim zu bringen als auch die Pfarrstelle mit deren Einkünften für die katholische Kirche zurückzugewinnen. Der darauffolgende Rechtsstreit endete 1707 mit der kurpfälzischen Kirchenteilung, die „die Kirche daselbsten sampt Pfarr- und Schulhaus, auch Pfarrgüter, Renten, große und kleine Zehnten“ den Reformierten zusprach und somit das Simultaneum aufhob. Zu dieser Zeit lebten im Ort 286 Reformierte und 57 Lutheraner.

Die 1602 erbaute Kirche fiel am 7. Juli 1709 gemeinsam mit Schulhaus, 23 Wohnhäusern und 21 Scheunen einem Brand zum Opfer. Nach dem Wiederaufbau drangen 1714 unter französischem Schutz erneut Katholiken ein, allerdings nur vorübergehend. Danach herrschte dauerhafte Ruhe. Am 31. Dezember 1800 kam Im Heddesheimer Pfarrhaus der Dichter Gustav Pfarrius zur Welt. In den Jahren nach 1936 erschütterten die Auseinandersetzungen zwischen Deutschen Christen und Bekenntniskirche die Gemeinde. Am 1. April 1953 wurde Waldhilbersheim kirchlich von Windesheim nach Heddesheim umgegliedert. Am 1. April 1974 entstand die Gemeinde Windesheim-Heddesheim, die am 1. Juli 1986 in Windesheim-Guldental umbenannt wurde. Schließlich erfolgte am 1. Januar 2020 die Vereinigung von Windesheim-Guldental mit Stromberg und Seibersbach zur neuen Gemeinde Guldenbachtal.

Das Archiv der Ev. Kirchengemeinde Heddesheim wurde im Oktober 1962 von Pfarrer Paul Melzer nach dem Registraturplan für rheinisch-westfälische Kirchengemeinden geordnet. 2005 wurde der Bestand aus dem Archiv des Kirchenkreises An Nahe und Glan in die Archivstelle Boppard übernommen. Dr. Reinhard K. W. Schmidt fügte diverses, bislang unverzeichnetes Schriftgut mit Schwerpunkt Nachkriegszeit dem Findbuch als Archiv-Fragmente (F) im Anhang bei.

Literatur: KABl 1953 S. 46; KABl 1974, S. 134; KABl 1986, S. 153; KABl 2019, S. 218-219; Rosenkranz, Albert, Aus dem Leben der reformierten Gemeinde Heddesheim am Guldenbach, in: Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 2 (1953), S. 105-117; Ders., Evangelisches Rheinland, Bd. 1, S.394; Ders., Wilhelm Weinmann, der Stammvater einer oberrheinischen Pfarrerfamilie, Direktor der höheren Schule in Kreuznach, Pfarrer in Heddesheim und Langenlonsheim, in: Glaube und Heimat 29/30 (1947), S. 123-124/126-127.

Ergänzende Archivbestände: 1OB 008 (Ortsakten); 3MB 001 (Kirchenkreis Kreuznach).