
Laufzeit: 1400-1999
Umfang: 64 Kartons
Lfd. Nummern: 530
Akzessionsdatum: 2024
Findmittel: 1958, 1995, 2024
Signatur: 4KG 144B
Winningen wird 871 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert fiel der ganz von kurtrierischem Gebiet umgebene Ort durch Saynische Erbschaft an die Starkenburger Linie der Grafen von Sponheim. Mit der Hinteren Grafschaft Sponheim stand Winningen bis 1776 unter gemeinsamer Herrschaft von Baden-Baden und Pfalz-Zweibrücken und wurde daher 1557 zur lutherischen Enklave. Die um 1200 als dreischiffige Basilika errichtete Kirche wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgebaut. Zu den bedeutenden Baumaß-nahmen zählen der Einbau einer Empore 1618, die Verlängerung des Langhauses mit größeren Fenstern 1695 sowie die Erweiterung durch Querschiffarme 1718. In der Kirche sind besondere Ausstattungsstücke erhalten, darunter ein romanischer Taufstein aus Trachyt, drei Messingkronleuchter aus dem 17. Jahrhundert und ein kunstvolles Portal von 1695. Die älteste Glocke stammt von 1422.
Bis zum Verbot durch den Trierer Erzbischof 1575 hielten sich auch die Evangelischen aus Koblenz zur Gemeinde Winningen, die seit 1672 der Inspektion Trarbach unterstand. Während des Dreißigjährigen Krieges litt die Gemeinde stark unter Truppendurchmärschen. In diese Zeiten fallen auch die Hexenprozesse, bei denen 24 Frauen und Männer angeklagt und 20 hingerichtet wurden. 1689 konnte das drohende Simultaneum durch Pfarrer Liernur abgewendet werden. 1776 fiel Winningen vollständig an Baden und wurde 1806 unter französischer Verwaltung dem Lokalkonsistorium Kastellaun zugeordnet. Dem Übergang an Preußen folgte 1817 die Einführung der Union. 1950 kamen Teile von Winningen zur neu errichteten Gemeinden Urmitz-Mülheim, die zweite Winninger Pfarrstelle wurde auf die Gemeinden Urmitz-Mülheim und Plaidt übertragen. Am 1.4.1970 wechselten Lay und Waldesch von Winningen zur Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Karthause.
Das Archiv der Kirchengemeinde Winningen wurde im März 2024 zur dauerhaften Aufbewahrung von der Evangelischen Archivstelle Boppard übernommen. Es umfasste im Wesentlichen die zwei Teilbestände Winningen I (Laufzeit 1400-1957, Repertorium 1958 von Kirchenarchivrat Walter Schmidt) und II (Laufzeit 1957-1992, Repertorium 1995 von Hans Fritzsche). Beide Teilbestände wurden in dem vorliegenden Findbuch zusammengefasst und um bislang unverzeichnetes Schriftgut ergänzt. Die Erschließungstiefe des älteren Teilbestands konnte in diesem Zusammenhang deutlich optimiert werden. Der Gesamtbestand zählt 537 Verzeichnungseinheiten, die in 64 Archivkartons und einer großformatigen Mappe verpackt sind.
Literatur: Garbe, Rainer, Inventar der Quellen zur Geschichte der Gemeinde Winningen, Winningen 2003; Hoffbauer, Frank / Rummel, Walter (Hgg.), Winningen, „ein feine wolgezogene gemain“. Beiträge zur Ortsgeschichte von den Ursprüngen bis in die Gegenwart, Winningen 2007; KABl 1950, S. 38; KABl 1970, S. 85; Krumme, Sieglinde, Ein niederrheinischer Moselaner. Festschrift für Ekkehard Krumme, Winningen 2004; Rosenkranz, Evangelisches Rheinland, Bd. 1, S. 355-357; Winninger Hefte. Beiträge zur Geschichte der Moselgemeinde Winningen und ihrer Bürger, Winningen 1985 ff.
Ergänzende Archivbestände: 1OB 008 (Ortsakten); 3MB 009B Kirchenkreis Koblenz.

