4KG 145B – Schöneberg

Laufzeit: 1649-2011
Umfang: 35 Kartons
lfd. Nummern: 405
Akzessionsdatum: 2024
Findmittel: 1958, 1988, 2025
Signatur: 4KG 145B

Evangelische Kirchengemeinde Schöneberg 

Die Evangelische Kirchengemeinde Schöneberg entstand 1561 durch die Saynische Reformation als lutherische Gemeinde. 1605 wurde das reformierte Bekenntnis eingeführt. Als die Grafschaft durch den Westfälischen Frieden 1648 der lutherischen Gräfin Luise Juliane von Sayn-Wittgenstein zufiel, stellte diese die lutherische Kirche in der Grafschaft Sayn wieder her. Sie erließ jedoch ein „Toleranzedikt“, dessen Original als älteste Urkunde im Archiv der Kirchengemeinde aufbewahrt wird. Seit 1665 bestand neben der größeren reformierten Gemeinde eine kleine lutherische Gemeinde, zu der vor allem die im Schöneberger Schloss tätigen Beamten der Sayn-Hachenburgischen Regierung gehörten.

Das Nebeneinander der beiden Gemeinden führte zu dauernden Auseinandersetzungen und Beschwerden der Reformierten gegen die von der Obrigkeit begünstigten Lutheraner. Die Gravamina des reformierten Kirchspiels Schöneberg von 1653-1728 bilden den größten Teil des alten Urkundenbestandes. 1810 wurde die lutherische Pfarrstelle aufgelöst, die wenigen im Kirchspiel lebenden Lutheraner fortan vom Almersbacher lutherischen Pfarrer mitbetreut. Die Union scheint sich erst spät durchgesetzt zu haben; die lutherischen Kirchenbücher reichen bis zum Jahr 1837. Zu den ältesten Dokumenten gehören auch die 1937 aus dem Archiv entwendeten und in stark beschädigtem Zustand wiedererlangten Reste des Kapitalienbuches mit vielen sich über die Zeit von 1695-1797 erstreckenden Eintragungen, über deren Inhalt ein Verzeichnis angelegt wurde.

1854 vernichtete ein verheerender Brand, dem auch Kirche und Pfarrhaus zum Opfer fielen, große Teile der alten Aktenbestände. Von dem Flammersfelder Bürgermeister Friedrich Wilhelm Raiffeisen 1852 verfasste, bisher unbeachtete Schriftstücke, die Raiffeisens Einsatz für eine Reform des Schulwesens bezeugen, wurden erst bei der Neuordnung des Archivs 1988 gefunden.

Die Kirchengemeinde Schöneberg wurde 2011 Filiale von Mehren. Am 1.1.2020 bildeten beide Orte die Ev. Auferstehungsgemeinde Mehren Schöneberg. Das Archiv der Kirchengemeinde Schöneberg wurde im November 2024 zur dauerhaften Aufbewahrung von der Evangelischen Archivstelle Boppard übernommen. Es umfasste im Wesentlichen die zwei Teilbestände Schöneberg I (Laufzeit 1649-1957, Repertorium 1958 von Erwin Katzwinkel) und II (Laufzeit 1958-1987, Repertorium 1988 von Hans Fritzsche). Beide Teilbestände wurden zusammengefasst und um weniges bislang unverzeichnetes Schriftgut ergänzt.

Literatur: KABl 2011, S. 223; KABl 2019, S. 237; Katzwinkel, Erwin, Unsere Schöneberger Kirche hundert Jahre alt. Festschrift zur Hundertjahrfeier, Altenkirchen 1965; Kickton, Charlotte, Familienbuch der evangelischen Kirchengemeinden reformiert und lutherisch Schöneberg/Westerwald mit den Ortsteilen Berzhausen, Bettgenhausen, Kahlhardt, Niederähren, Obernau links der Wied, Schöneberg, Schöneberg-Neiterschen, Seifen 1692-1837, Weißenthurm 2015; Rosenkranz, Evangelisches Rheinland, Bd. 1, S. 78f.; Sartor, Lutz, Zur Geschichte Schönebergs 1240-1990 anläßlich der 750-Jahr-Feier, Schöneberg 1990.

Ergänzende Archivbestände: 1 OB 008 (Ortsakten).